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Familie

Kabel ziehen und schnelles Organisieren sind gefragt

Von Mathias Mathes (in Neue Presse Coburg vom 06.08.2005)

Was hat die Firma "Pazdera Reisende Gastronomie", seit Jahren beim Coburger Vogelschießen unter dem Namen "Pazdera's Lunchbox" insbesondere für Fischgerichte bekannt, mit Autoscootern zu tun? Viel mehr, als man denkt. Genau genommen würde es den Familienbetrieb ohne Autoscooter gar nicht geben.

Der Keim des Betriebs steckte in einem Schaustellerunternehmen, das bereits seit 1958 existiert, zunächst mit Sitz in Coburg und inzwischen in Lautertal. Herbert Lentz ließ in früheren Jahren seine Autoscooter auf dem Anger rollen. Wie häufig bei Schaustellern, arbeitete Sohn Ralf beim Vater mit.

Gestern wie heute ist eine Scooter-Arena ein beliebter Treffpunkt der Jugend, wo geredet, gescherzt und nicht zuletzt geflirtet wird. Ralf flirtete damals mit Anneliese und am Ende hatte die Schaustellerfamilie ein neues Mitglied.

Familientradition

Bald wollte das Ehepaar Ralf und Anneliese Pazdera auf eigenen Beinen stehen. Obwohl sie selbst ein Neuling im Schaustellergeschäft war, stand für Anneliese ebenso wie für ihren schon versierten Mann fest: wir wollen als reisende Schausteller auf Achse gehen. Auch in der Geschäftsidee war man sich einig. "Gemeinsam wollten wir einen Imbiss auf die Beine stellen", erinnert sich Anneliese Pazdera.

Das war 1976. Den Imbiss gibt es heute noch, nur heißt er seit 1989 "Pazdera's Lunchbox". Was recht niedlich klingt, ist mittlerweile zu stattlicher Größe herangewachsen. Deshalb soll der Betrieb künftig auch unter dem neuen Namen "Pazdera Reisende Gastronomie" geführt werden. Wenn die "Reisende Gastronomie" ab Frühjahr ihre Tour zu den Volksfesten von Nürnberg über Coburg bis Steinach in Thüringen beginnt, sind sechs Lkw-Ladungen von durchschnittlich 20 Tonnen, sechs Wohnwagen, ein Imbisswagen sowie zwei mit Kränen bewehrte Zugmaschinen unterwegs.

"Allein ein Sattelzug ist vollgepackt mit Möbeln für unsere Gaststube, die ganz bewusst den Eindruck eines Gasthauses vermitteln sollen", sagt Kevin Pazdera, der schon zur zweiten Generation gehört. Kevin, der mit seiner Frau Karola im elterlichen Unternehmen arbeitet, ist regelrecht in das Schaustellergeschäft hineingewachsen. "Im Grunde ist er schon seit seiner Geburt dabei", schmunzelt Vater Ralf.

Dennoch stellten die Eltern eine Aufnahmebedingung. Um sich selbst eine gute Ausgangsbasis zu schaffen, sollte Kevin erst einmal eine Berufsausbildung machen. "Jetzt bin ich gelernter Elektriker, und das schadet dem mobilen Geschäft bestimmt nicht", sagt Kevin. Denn jedesmal wenn das Unternehmen Station macht, müssen unzählige Meter elektrische Leitungen verlegt und eine Unmenge anderer elektrischer Arbeiten vom Starkstromanschluss bis zur Installation der Festbeleuchtung durchgeführt werden.

Bruder Dominic hat bei einem großen Coburger Unternehmen gelernt. Er blieb im "bürgerlichen" Beruf. Der Faszination der Schaustellerei kann er sich dennoch nicht ganz verschließen. Wenn er frei hat, helfen er und seine Freundin im elterlichen Betrieb mit.

Und da gibt es viel zu tun. "Allein fünf Tage brauchen wir, um alles vom Biergarten bis zu den beiden offenen Küchen auf einem Festplatz aufzustellen", erzählt Ralf Pazdera. Im Zentrum aller Anstrengungen steht für einen Imbiss neben der Sauberkeit die Kühlung. Drei Kühlhäuser, ein Kühlwagen und ein gutes Dutzend Kühlschränke sind die Frischegaranten des Unternehmens. Bei der für ein Imbissgeschäft geradezu überlebenswichtigen Kühlung kommt wiederum Kevin eine wichtige Rolle zu. Denn fällt ein Kühlaggregat aus, ist schnelle Hilfe gefragt.

Nur gut, dass auch Vater Ralf ein geschickter Handwerker ist. In alter Schaustellertradition verkörpert er den handwerklichen Allrounder, der von jahrelanger Erfahrung in den verschiedensten Disziplinen profitiert.

Grüner Hering

Und nicht zuletzt müssen die Pazderas und ihre sechs Mitarbeiter vor allem eines können: den Festgästen ein leckeres Essen zubereiten. Besonders mit Fischgerichten hat sich die Familie einen Namen gemacht. Mit eigenen Gewürzmischungen und Saucen verfeinern die Pazderas ihre frittierten Filets und Fische vom Grill. Natürlich wird auch der klassische "Steckerlfisch", die Makrele vom Grillspieß angeboten. "Beim Vogelschießen ist aber der grüne Hering der Renner", verrät Ralf Pazdera, der im eigenen Betrieb als Gastronom, Koch, Monteur und vieles andere mehr arbeitet, aber vor allem eines ist: reisender Schausteller mit Leib und Seele